Bitter im Interview: „Die meisten Jungs, die bei der EM performt haben, sind jetzt wieder in der Handball-Bundesliga zu sehen“

Johannes Bitter war 2007 mit der DHB-Auswahl Weltmeister. Heute ist der frühere Torhüter in der Funktion als Sportdirektor für den Handball Sport Verein Hamburg tätig. Zuletzt war der frühere Nationalspieler aber auch bei der Europameisterschaft als TV-Co-Kommentator und Handball-Experte gefragt. Wir blicken im Interview gemeinsam mit ihm auf die EM zurück und sprechen über die 1. Handball-Bundesliga, die für den HSVH am 10. Februar wieder beginnt.

Johannes, Sie sind zu Beginn der Woche von der Handball-EM, die in Dänemark, Schweden und Norwegen stattfand, zurückgekehrt. Wie lautet Ihr Fazit?

Johannes Bitter: Wir reden ja in erster Linie über die deutsche Mannschaft. Sie hat zunächst Höhen und Tiefen erlebt. Aber nach der Niederlage gegen Serbien hat das Team gezeigt, welche Qualität es hat. Die DHB-Auswahl hat sich vollkommen zu Recht ins Finale gespielt und war dort recht dicht dran, gegen Dänemark zu bestehen. Mein sportliches Fazit bezüglich des Nationalteams ist entsprechend positiv: Für mich war das insgesamt eine Klasse-Leistung und ein richtiges Ausrufezeichen im internationalen Handballsport.

In Deutschland hatte man das Gefühl, Handball sei im TV und in den Medien präsent wie nie. Hatten Sie einen ähnlichen Eindruck?

Bitter: Die TV-Einschaltquoten bei ARD und ZDF und die Streamingzahlen waren überragend. 12,82 Millionen Zuschauer haben das Finale durchschnittlich im deutschen Fernsehen verfolgt. Besonders erfreulich war der Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen: Er lag bei 63,5 Prozent. Hinzu kamen die Zuschauer bei Dyn. Das waren aussagekräftige Zahlen und Reichweiten, auf die ich in den letzten Tagen auf der SPOBIS – genauso wie auf die Leistungen der DHB-Auswahl – oft angesprochen wurde. Und die meisten Jungs, die da performt haben, sind jetzt wieder in der Handball-Bundesliga zu sehen.

Glauben Sie, dass sich die aktuelle Euphorie auch in die DAIKIN HBL transportieren lässt – vielleicht sogar bis zur Heim-WM im kommenden Jahr?

Bitter: Am 10. Februar bei unserem Heimspiel gegen Leipzig werden zahlreiche EM-Teilnehmer dabei sein. Bei der Partie am 15. Februar gegen Flensburg könnten insgesamt sieben Europameister (einer vom HSVH und sechs von der SG) auf der Platte stehen. Trotzdem ist es vermessen, wenn wir glauben, die EM-Euphorie lässt sich 1:1 auf die DAIKIN HBL übertragen. Doch es muss selbstverständlich sein, immer wieder darauf hinzuweisen, dass die ganzen Stars bei uns in der Bundesliga unterwegs sind. Wir zeigen fantastischen Sport in dieser ’stärksten Liga der Welt‘, den man – unabhängig von einzelnen Protagonisten – jede Woche in Deutschland sieht: in Hamburg und überall bei den Teams der 1. Handball-Bundesliga. Ich freue mich, weiterhin Menschen für den Handball-Sport zu begeistern. Vielleicht schaffen wir bei der Heim-WM im nächsten Jahr den großen Wurf und können wieder Weltmeister werden. Wir sollten auf jeden Fall versuchen, die Begeisterung bis dahin hochzuhalten.

Mit Frederik Bo Andersen hat der HSVH einen Europameister in seinen Reihen? Glauben Sie, dass sich seine Rolle im Team dadurch verändern wird?

Bitter: Die Rolle von Bo hat sich natürlich verändert! Zunächst einmal muss er als Europameister und mit der schönen Medaille in der Tasche erst einmal kräftig einen ausgeben (lacht). Daher hat sich das Team für ihn sehr über seinen Erfolg gefreut. Spaß beiseite: Klar schauen viele Menschen auf einen Europameister. Er war lange mit dem dänischen Team zusammen und hat sicherlich aufgesaugt, welche Euphorie in seinem Heimatland entstanden ist. Das sind Erfahrungen, die keiner irgendwo erlernen kann. Definitiv wird es deshalb eine Veränderung geben, schon weil einige seiner Mitspieler aufgrund des Erfolges mehr zu ihm hochschauen werden und seine Stimme mehr Gewicht bekommt.

Auch andere HSVH-Akteure waren bei der EM dabei. Wie wichtig sind solche Erfahrungen für die Spieler?

Bitter: Für alle sechs HSVH-Spieler, die jetzt mit ihrer Nationalmannschaft unterwegs waren – fünf Spieler bei der EM und Mo El-Tayar bei der Afrika-Meisterschaft – ist das sicher prägend gewesen. Diese Erfahrungen nimmt jeder mit und kann sie ganz sicher auch im eigenen Verein einbringen. Ich finde, Nationalspieler zu sein, ist immer ein ‚Upgrade‘.

Am 10. Februar sind Ihre Spieler dann wieder im HSVH-Trikot zu sehen. Doch auch Gegner Leipzig hat fünf EM-Teilnehmer im Kader. Zeigt das die Qualität der DAIKIN HBL?

Bitter: Absolut! In nahezu jeder Erstliga-Mannschaft sehen wir Spieler, die bei der Europameisterschaft dabei waren oder Medaillen gewonnen haben. In der HBL ist die Crème de la Crème zu sehen. Bei Leipzig ist da vor allem Franz Semper zu nennen, der mit Deutschland EM-Silber gewann und in wichtigen Situationen für das deutsche Team seine Qualitäten unter Beweis gestellt hat.

Wie groß ist bei Ihnen selbst die Vorfreude, dass es jetzt wieder in der Liga weitergeht?

Bitter: Ich freue mich wahnsinnig darauf. Es gab rund sechs Wochen keine Spiele in der DAIKIN HBL. Mit den tollen Nationalmannschafts-Erfolgen im Rücken ist es schön, dass sich der Handball Sport Verein Hamburg endlich wieder vor heimischer Kulisse präsentieren kann.

Eintrittskarten für die nächsten HSVH-Heimspiele sind im Ticketshop erhältlich. Zu den anderen Meldungen vom Handball Sport Verein Hamburg geht es in der Navigation unter News.