Doppel-Interview mit Torsten Jansen und Blazenko Lackovic: Freundschaft trotz Trainer-Dasein!
Trainer eines Handball-Bundesligisten zu sein, kostet einiges an Kraft und Nerven. Konflikte scheinen vorprogrammiert. Freundschaften haben nur selten Bestand. Bei HSVH-Chefcoach Torsten Jansen und seinem Co-Trainer Blazenko Lackovic ist das anders. Beide feierten schon als aktive Handballer in Hamburg Erfolge: Sie holten 2010 zusammen den DHB-Pokal, wurden gemeinsam Deutscher Meister (2011) und errangen 2013 den Champions-League-Pokal. Seit einigen Jahren agieren Jansen und Lackovic beim Handball Sport Verein Hamburg als Trainergespann. Obwohl am Ende der Cheftrainer entscheidet, ist die Zusammenarbeit von gegenseitiger Achtung geprägt. Vor dem Auswärtsspiel in Hannover haben wir mit beiden über die aktuelle Situation, den nächsten Gegner und ihre Freundschaft gesprochen.
Der Handball Sport Verein Hamburg steht aktuell im Tabellenmittelfeld. Sind Sie mit dem bisher Erreichten in dieser Saison zufrieden?
Torsten Jansen: Was wäre ich für ein Trainer, wenn ich zufrieden wäre?
Blazenko Lackovic: Der Tabellenplatz ist okay für mich. Besser kann es immer sein. Ich bin zufrieden mit einigen Spielen, die wir gegen schwerere Gegner gezeigt haben. Und auch bei den Partien zu Hause gegen Minden und Eisenach konnten wir zum Beispiel sehr stolz auf das Gezeigte sein. Aber es gab auch Spiele, in denen wir uns besser hätten präsentieren müssen. Das zeigt, es gibt auch viel Potenzial, das wir noch nutzen können.
Der Abstand zu den Abstiegsplätzen ist recht groß. Könnte es trotzdem noch einmal eng für Ihr Team werden?
Lackovic: Es kann immer eng werden. Uns ist bewusst, dass wir in der 1. Handball-Bundesliga, also in der stärksten Liga der Welt, spielen. Die großen Stars zieht es immer wieder in diese Liga. Man muss in jedes Spiel 120 Prozent investieren. Trotzdem gibt es keine Garantie, dass man diese Spiele gewinnt. Daher müssen wir in jedem Spiel das Maximum erreichen, um gewinnen zu können. Weil aber auch die anderen Teams extrem gut sind, müssen wir jederzeit gewarnt sein.
Jansen: Man wäre naiv, wenn man zu blauäugig an die Sache herangeht. Deshalb wollen möglichst schnell weiter Punkte sammeln – dann entstehen solche Ängste auch gar nicht erst.
Am 13. März steht für den HSVH das nächste Spiel auf dem Programm, ein Nord-Derby auswärts in Hannover. Bislang sieht die Bilanz gegen die Recken gut aus. Aber in der Hinrunde gab es eine Heim-Niederlage. Welche Art von Partie erwarten Sie dieses Mal?
Jansen: Die Gesamtbilanz ist nicht so interessant. Jedes Spiel muss für sich gesehen werden. Genauso ist es schwer, nur vom Hinspiel zu sprechen. Das wird eine Begegnung sein, in der es knapp werden kann. Es wäre wichtig, dann die Nerven zu behalten und zwei Punkte mitzunehmen.
Lackovic: Das wird eine sehr intensive Partie. Sie haben einen neuen Coach, den Spanier Juan Carlos Pastor. Er ist taktisch geprägt. Sie werden zu Hause alles investieren, um das Spiel gegen uns zu gewinnen. In der European League sind sie souverän weitergekommen. Das zeigt, dass sie eine gute Qualität haben. Darüber hinaus wird unser früherer Spieler Leif Tissier sehr motiviert gegen uns sein. Ich glaube, es wird ein offener Fight, mit ganz viel Tempo. Daher wird unser Rückzugsverhalten wichtig werden. Wir müssen gut verteidigen, zum Beispiel gegen Justus Fischer. Ich freue mich sehr auf das Derby, in einer Arena, die wohl ausverkauft sein wird.
Da das Heimspiel gegen die Füchse Berlin in den Dezember vorverlegt wurde, haben Sie relativ lange Zeit, um sich auf die Begegnung bei den Recken vorzubereiten. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?
Lackovic: Wenn man nicht im Rhythmus bleibt, ist das immer problematisch. Wir haben unserer Mannschaft nach den vier Spielen in Folge erst einmal freigegeben, damit die Spieler ein wenig runterfahren konnten. Aber jetzt wollen wir wieder angreifen und gehen fokussiert in die drei Monate bis zum Saisonende, die sehr wichtig für uns sind. Letztlich ist es aber so: Wir bereiten uns auf jeden Gegner intensiv und gut vor. Und einige Spieler, die vielleicht vorher kränkelten, sind jetzt hoffentlich wieder gesund.
Jansen: Zuletzt gab es vier Spiele hintereinander in 16 Tagen. Vielleicht haben wir durch die kurze Pause einen kleinen Schub bekommen. Ich selbst sehe es aber eher als Vorteil an, wenn man im Spielrhythmus bleibt. Aber der wird ja ohnehin öfter unterbrochen, gerade wenn man nicht international spielt.
Sie selbst haben als Spieler den Handball in der Hansestadt geprägt und viele Jahre lang gemeinsam für Hamburg gespielt. Durch ihre Positionen waren die Rollen als Spieler klar verteilt. Wie ist das heute? Gibt es in der Zusammenarbeit zwischen Co-Trainer und Headcoach ebenfalls eine klare Aufgabenverteilung? Oder ist der Übergang fließend?
Jansen: Wir diskutieren recht viel – und das auf einem ähnlichen Niveau, auf Augenhöhe. Wir sprechen über sehr viele Dinge. Zu guter Letzt treffe ich dann die finale Entscheidung, wenn wir zwei unterschiedliche Meinungen haben. Das gehört dazu: Denn als Cheftrainer muss ich in so einem Moment die Verantwortung übernehmen. Ansonsten überschneiden sich natürlich viele Bereiche. Wenn wir zum Beispiel das Training planen, dann schauen wir gemeinsam, worauf wir den Fokus legen wollen. Ähnlich machen wir das auch mit der Videoanalyse.
Lackovic: Mit der Zeit haben sich viele Dinge in der Zusammenarbeit automatisiert. Viele Sachen wurden inzwischen strukturiert. Und natürlich haben wir einiges optimiert. Wir haben als Gespann gemeinsam dazugelernt. Aber eine Sache ist klar: Toto ist der Cheftrainer, er entscheidet. Natürlich versuche ich, ihn mit meiner Erfahrung – als Spieler hatte ich früher ja die unterschiedlichsten Trainer – zu unterstützen. Daher sprechen wir ganz oft über neue Ideen oder Ansätze. Wir ticken oft ähnlich. Doch wir können auch nicht alles genauso sehen. Wir lösen diese Dinge aber immer. Und am Ende trage ich die Entscheidungen von Toto voll und ganz mit. Deshalb bin ich hier in Hamburg auch sehr zufrieden. Denn es ist eine ganz offene und loyale Zusammenarbeit. Das erkennt die Mannschaft. Das wirkt sich positiv aus. Aber ich habe auch viele Freiheiten, beispielsweise in der Vorbereitung auf unsere Spiele und auch in der Nachbereitung. Das gefällt mir gut.
Wenn man Sie bei der Arbeit beobachtet, erkennt man schnell, dass Sie nicht nur Arbeitskollegen, sondern auch Freunde sind. Belastet das Trainer-Dasein diese Freundschaft?
Lackovic: Nein, auf gar keinen Fall. Alle wissen, wer der erste und wer der zweite Trainer ist. Aber wir lösen alles mit Argumenten und unseren Erfahrungen. Das ist wichtig. Manchmal dauert das dann auch ein bisschen länger. Doch wir haben viel Respekt voreinander. Wir sind Freunde. Und die daraus resultierende Loyalität passt auch sehr gut zu unserer Arbeit.
Jansen: Nein, wir trennen das komplett. Und das gelingt uns nach all den Jahren immer noch sehr gut.
Was können Sie über die Stärken des anderen sagen?
Jansen: Lac bringt immer wieder neuen Input. Er hat häufig neue Ideen. Dann bin ich eher derjenige, der manchmal bremst und sagt, lass uns eins nach dem anderen machen. Aber die Einfälle sind trotzdem wertvoll, denn man wird so ständig mit neuen Reizen konfrontiert, die dazu führen, dass man sich damit beschäftigt. Das treibt uns auch aus sportlicher Sicht immer wieder an.
Lackovic: Torstens ruhige Art ist oft ein Vorteil, gerade wenn es auf dem Spielfeld hektisch wird. Es gibt einfach Momente, in denen eine Mannschaft diese Ruhe braucht. Er verfällt dann nicht in Panik und verliert seinen Weg nicht aus den Augen. Außerdem hat er ein gutes Gefühl dafür, wann man Grenzen setzen muss. Unsere Mannschaft hat gewisse Freiheiten. Das ist gut für die Entwicklung des Teams. Aber Toto passt auf, dass gewisse Grenzen nicht überschritten werden. Darüber hinaus zeigt er den Jungs, dass er Verständnis für gewisse Fehler hat. Wichtig ist ihm aber auch, dass man daraus lernt. Daher haben sich beim HSVH auch viele Spieler sehr gut entwickelt.
Eintrittskarten für die nächsten HSVH-Heimspiele sind im Ticketshop erhältlich. Zu den anderen Meldungen vom Handball Sport Verein Hamburg geht es in der Navigation unter News.


