Prof. Dr. med. Till Orla Klatte im Interview„Ich setze darauf, dass wir noch Achter oder Neunter werden“

Der Name Orla Klatte ist den Hamburger Handball-Fans und -Verantwortlichen längst ein Begriff. Denn der Chefarzt im Albertinen Krankenhaus (Orthopädie und Unfallchirurgie) ist gleichzeitig Mannschaftsarzt beim Handball Sport Verein Hamburg. Dazu gibt er im sogenannten Hallenheft des Clubs als „Handball-Doc“ Einblicke zu verschiedensten Verletzungsthemen. Was jetzt neu ist: Klatte wurde von der Universität Hamburg zum Professor ernannt.

Herzlichen Glückwunsch! Sie dürfen sich jetzt Prof. Dr. med. Till Orla Klatte nennen. Wie kam es dazu?

Orla Klatte: Das ist eine Ehrung für meine jahrelange, wissenschaftliche Arbeit und meine Lehrtätigkeit an der Universität Hamburg. Neben meiner normalen Lehrtätigkeit an der Universität habe ich ein Curriculum aufgebaut – um den Studierenden, die sich besonders für das Fach Orthopädie und Unfallchirurgie begeistern, einen noch tieferen Einblick zu geben und somit eine bessere Vorbereitung auf das Berufsleben zu bieten. Darüber hinaus habe ich eine Vielzahl wissenschaftlicher Projekte und Doktorandinnen und Doktoranden betreut.

Einer Professur geht, wie Sie ja schon gesagt haben, ein langer Weg voraus: Studium, Promotion, Habilitation, hohe fachliche Qualifikation, Lehrerfahrung und Publikationen. Normalerweise geht man in solchen Fällen von einem Weg aus, der etwa zehn bis 15 Jahre dauert. Sie haben es in sechs Jahren geschafft.

Klatte: Ich glaube, das wirkt von außen immer schneller, als es sich anfühlt. Ich hatte einfach früh eine klare Richtung und das Glück, in einem guten Umfeld zu arbeiten, das mich unterstützt hat. Und klar, ein bisschen Timing gehört auch dazu. Am Ende war’s eine Mischung aus viel Arbeit, guten Mitarbeitern und einer unterstützenden Familie um mich herum – und ein bisschen Glück.

Sie sind auch HSVH-Mannschaftsarzt. Wie muss man sich das vorstellen? Sind Sie bei jedem Training dabei? 

Klatte: Nein, beim Training bin ich normalerweise nicht vor Ort. Dafür sind wir immer bei den Heimspielen dabei. Bei den Auswärtsspielen ist es normalerweise so, dass der Mannschaftsarzt des anderen Teams die gegnerische Mannschaft mit vertritt. Und wir sind natürlich umgekehrt bei Heimspielen dran, ebenfalls einen Arzt zu stellen, auf den der Gastverein zurückgreifen darf. Dazu sind wir – und das ist schon sehr wichtig – jederzeit für die gegnerische Mannschaft ansprechbar. Im Alltag kümmern wir uns gemeinsam mit Matthias Bludau und Daniela Duust um die medizinischen Belange – also nicht nur, wenn es sich eindeutig um eine Verletzung handelt, sondern auch, wenn ein Spieler beispielsweise einen grippalen Infekt hat. Wir suchen dann die jeweilig passenden Spezialisten für unsere Spieler, damit diese bestens versorgt werden und möglichst schnell wieder auf die Platte können.

Das Albertinen Krankenhaus, das Sie als Experte in den Bereichen Orthopädie und Unfallchirurgie vertreten, ist seit dieser Saison medizinischer Partner des HSVH. Ist Handball dadurch in der tagtäglichen Arbeit im Klinikum ein Thema?

Klatte: Ja, absolut! Bei uns fiebern alle mit. Das ganze Krankenhaus wurde ein Stück weit vom Handballfieber erfasst. Ich selber werde immer wieder von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch Patientinnen und Patienten, auf den HSVH angesprochen.

Woher kommt denn Ihre Begeisterung für den Handballsport?

Klatte: Selbst Handball gespielt habe ich nie. Ich bin dem Leistungssport aber immer verbunden gewesen. Ich habe mich schon zu Beginn meiner ärztlichen Tätigkeit immer – gerade im Bereich der Schulter – um Leistungssportler mitgekümmert. Dann kam über Prof. Dr. Philip Catalá-Lehnen, dem ärztlichen Direktor des LANS Medicums Hamburg, die Anfrage, ob ich nicht Lust hätte, beim Handball Sport Verein dabei zu sein. Da habe ich dann gleich ´Ja` gesagt. Denn der Handballsport fasziniert mich durch seine Dynamik, Teamgeist und extreme körperliche Leistung.

Gibt es Spieler, die Sie mittlerweile besonders mögen?

Klatte: Da kann ich keinen Spieler einzeln rauspicken. Aber ich behaupte, die sind alle durch und durch coole Jungs. Man arbeitet mit allen gerne zusammen. Mit manchen hat man mehr zu tun, mit anderen weniger. Aber das hat dann eher etwas damit zu tun, ob der Spieler gerade verletzt ist oder sonstige Beschwerden hat.

Verletzungen können im Handball sehr vielfältig sein. Gibt es da Eingriffe, die man besonders gerne macht?

Klatte: Natürlich die Eingriffe, die zu einer besonders schnellen und vollständigen Heilung führen! Ein besonderes Gelenk und mit erheblichen Folgen für den Handballer bei Verletzung ist für mich neben dem Kniegelenk die Schulter. Sie stellt eine besondere Herausforderung dar, da sie ein besonders komplexes Zusammenspiel aus Knochen, Sehnen und Muskeln auszeichnet. Es kann hier vom einfachen Bruch des Schlüsselbeines bis zur komplexen Ausrenkungsverletzung des Gelenkes reichen.

Ihre Tätigkeit im Albertinen Krankenhaus dürfte Sie arbeitstechnisch voll und ganz ausfüllen. Woher nehmen Sie die Kraft, sich trotzdem noch im Sport zu engagieren?

Klatte: Diese rührt vor allem aus meiner Leidenschaft für den Handballsport. Ich empfinde das nicht als zusätzliche Verpflichtung, sondern mache das wirklich gern – und genau das gibt mir auch die Energie dafür. Außerdem ist es ganz klar Teamarbeit: Wir teilen uns die Betreuung mit dem LANS Medicum sowie mit Prof. Sydow als Chefarzt der Kardiologie im Albertinen Krankenhaus, sodass nicht alles an einer Person hängt. Wir arbeiten also interdisziplinär zusammen – auch mit weiteren Kolleginnen und Kollegen aus anderen klinischen Abteilungen. Vor allem aber wird ein großer Teil der täglichen Arbeit von unseren Physiotherapeuten Dani und Matze übernommen. Dadurch verteilt sich die Verantwortung auf mehrere Schultern.

Zum Abschluss Ihr Tipp: Auf welchem Tabellenplatz wird der HSVH die Saison beenden?

Klatte: Ich setze darauf, dass wir noch Achter oder Neunter werden. Ein einstelliger Tabellenplatz, das wäre schon großartig.

Eintrittskarten für die nächsten HSVH-Heimspiele sind im Ticketshop erhältlich. In den News gibt es weitere Neuigkeiten vom Handball Sport Verein Hamburg.