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Handball als Job – „Das muss man zu schätzen wissen“

Lukas Ossenkopp hat vor Kurzem seinen Vertrag beim Handball Sport Verein Hamburg verlängert. Im Interview erzählt er uns, wie ihm der Verein ans Herz gewachsen ist und warum es so wichtig ist, als Sportler immer einen Plan B zu haben.

Moin Lukas! Erstmal: herzlichen Glückwunsch, du hast deinen Vertrag in Hamburg verlängert und bleibst uns in Hamburg erhalten. Die schwerste Frage zuerst: Warum?

Das ist keine schwere Frage. Für mich ist es tatsächlich eine Herzensangelegenheit. Zum einen auf der sportlichen Seite, weil wir einfach in den letzten Jahren sehr viel gemeinsam erlebt haben. Aber natürlich auch privat. Gerade durch die Geburt meiner Tochter habe ich nochmal gemerkt, was mir Hamburg bedeutet. Von daher bin ich sehr froh, dass ich diesen Vertag hier unterschreiben konnte und meine Frau, meine Tochter und ich hier sowohl privat als auch sportlich die nächste Zeit verbringen werden.

Du bist jetzt Vater geworden. Welche Rolle spielt die Vaterschaft in der Zukunftsplanung?

Wenn man alleine oder zu zweit ist, dann kommt man natürlich immer irgendwo unter oder bekommt neue Jobs. Als Vater hast du da natürlich nochmal eine ganz andere Verantwortung. Ich bin aber wirklich sehr froh, dass wir hier als Familie in Hamburg bleiben und ich weiter Handball spielen kann. Wenn das mit dem Sport alles irgendwann, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr funktionieren sollte, dann kann ich immer auf mein Lehramt-Studium zurückgreifen. Aber grundsätzlich möchte ich noch ein paar Jahre auf hohem Niveau spielen. Dass man irgendwann aufgrund des Alters mit dem Leistungssport aufhören muss, ist ganz klar. Der Punkt ist aber definitiv noch nicht erreicht.

Wie wichtig ist ein Plan B für Sportler?

Ich finde es sehr wichtig, dass man neben dem Sport etwas macht. Jetzt höre ich mich schon an wie ein alter Sack (lacht). Bei uns in der Mannschaft sind alle sehr pfiffig im Kopf, die machen alle neben dem Handball noch etwas, worauf sie nach dem Handball anknüpfen können. Das finde ich sehr sehr wichtig. Die wenigsten Handballer können nach der Karriere von ihren Einahmen leben. Daher ist es eine top Sache, dass man sich in unserer Situation durch den Sport das Studium finanzieren kann.

Du warst die erste Neuverpflichtung in der dritten Liga und hast es mit dem Verein in kurzer Zeit bis ins Mittelfeld der zweiten Liga geschafft. Ist dieser Verein in gewisser Weise auch dein Baby?

(lacht) Ja, das ist ein ganz guter Vergleich. Klar ist es eine ganz andere emotionale Geschichte aber man kann es wahrscheinlich tatsächlich vergleichen. Mit dem Verein habe ich jetzt in kurzer Zeit sehr viel erlebt, ob gute oder schwierige Phasen. Das schweißt unheimlich zusammen und lässt einen den Verein sehr ans Herz wachsen. Auch wenn wir noch lange nicht am Ende unserer Entwicklung sind.

Bleibst du auch Co-Trainer der U19?

Genau, da werden Sven (Rusbült) und ich weiterhin das Trainer-Tandem bilden. Sven ist natürlich der Chef im Ring und ich werde ihn und die Jungs weiterhin so gut unterstützen wie es geht. Mir macht es einfach Spaß, mit jungen Menschen zu arbeiten. Wenn man dann im Training oder im Spiel die Fortschritte sieht, ist das schon cool. Auch der Perspektivenwechsel vom Spieler auf die Trainerbank gefällt mir sehr gut. Wenn Sven und ich uns taktische Kniffe überlegen, um Spiele vielleicht doch noch gewinnen zu können, macht das einfach Spaß. Ich bin dem Verein sehr dankbar, die Chance bekommen zu haben, hier als Co-Trainer direkt in der U19 einzusteigen.

Als Spieler der 2. Handball-Bundesliga und Co-Trainer der U19 gibst du dann natürlich schon sehr viel Freizeit auf.

Ja, klar. Das gehört dann aber dazu. Ich versuche, so gut es geht, immer bei den Trainingseinheiten oder Spielen dabei zu sein. Klar gibt es immer ein paar Spiele die man dann sausen lassen muss aber grundsätzlich ist das für mich keine Belastung und ich freue mich sehr, dass ich das machen kann und machen darf.

Was macht das tägliche „Arbeiten“ hier aus, wenn der Handball zum Job wird?

Es ist wichtig, dass man es nicht als Job sieht. Klar ist es mein Job und der Terminplan ist schon brutal, weil man in seinem privaten Leben nicht spontan sein kann, aber trotzdem darf man es nicht als Belastung sehen. Wenn man überlegt, wie viele Sportler gerne in der gleichen Situation wären, dann ist man einfach verpflichtet dazu, sich den Hintern in jedem Training und jedem Spiel aufzureißen. Die Bedingungen die wir hier vorfinden, findet man wahrscheinlich nicht oft in der 2. Liga. Das ist alles andere als selbstverständlich und etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Das muss man zu schätzen wissen.

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