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Hamburger im zweiten Anlauf – Jens Vortmann

Torhüter Jens Vortmann wechselte im Februar 2021 vom Wilhelmshavener HV zum Handball Sport Verein Hamburg. Mit dem HSVH stieg er wenige Monate später in die Bundesliga auf. Sein insgesamt dritter Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse.

Jens Vortmann ist gebürtiger Berliner. Von 2005 bis 2009 hütete er das Tor der Füchse Berlin, dem heutigen Gegner des HSVH. Seine handballerischen Wurzeln jedoch liegen beim BFC Preussen im Süd-Westen der Hauptstadt. Beim BFC verbrachte Vortmann seine Jugend, wechselte jedoch noch als Schüler in den Fuchsbau: „Für mich war das damals der erste Kontakt mit dem Profi-Handball. Das war ein Riesending für mich. Ich bin auf keiner Sportschule oder ähnlichem gewesen. Handball hat sich zu dieser Zeit für mich vom Hobby zum Leistungssport entwickelt. Hier fiel der Startschuss für meine Karriere und ich erinnere mich gerne an die Zeit dort zurück“, erzählt er. Dennoch trifft Vortmann im Spiel gegen die Füchse kaum auf alte Weggefährten: „Der Einzige, der aus meiner Zeit bei den Füchsen noch übrig geblieben ist, ist Bob Hanning. Ansonsten ist rund um die Mannschaft keiner meiner da. Bis vor ein paar Jahren war da noch Peter Stochl, aber auch der ist mittlerweile im wohl- verdienten handballerischen Ruhestand.“

Die Reise beginnt

Im Anschluss begann Vortmanns Reise durch die Bundesrepublik. Zuerst zog es den heute 34-Jährigen zum DHC Rheinland (heute TSV Bayer Dormagen) und das erste Mal weg aus der Heimat: „Ich bin mit 22 aus Berlin weggezogen, zu den rheinischen Frohnaturen. Wir hatten da eine sehr junge Mannschaft mit vielen Spielern, die damals noch keiner kannte, heute aber wohl jedem Handball-Fan ein Begriff sind. Sei es Kentin Mahe, Maximilian Holst oder Fabian Böhm.“

Zu seiner Zeit im Westen der Bundesrepublik schaffte Vortmann auch den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft. Hier debütierte er am 10. April 2010 im Spiel gegen Dänemark für die deutsche B-Nationalmannschaft. 2013 folgte gegen die Schweiz auch sein Debüt für die A- Nationalmannschaft. Insgesamt stehen 12 Länderspiele für den gebürtigen Berliner zu Buche: „Für Deutschland auflaufen zu dürfen ist natürlich etwas Besonderes. Für die Junioren-Nationalmannschaft zu spielen hat großen Spaß gemacht, aber dann für die A-Nationalmannschaft auf der Platte zu stehen, ist nochmal ein ganz anderes Gefühl. Das war immer mein großes Ziel und ich bin sehr froh, dass ich das in meiner Karriere erreicht habe.“ In der Saison 2011/12 besiegelte ein Insolvenzantrag den Zwangsabstieg des DHC in die 2. Handball-Bundesliga und beendete das Kapital Rheinland für Vortmann: „Ich hatte da eine wirklich schöne Zeit, mit einer echt coolen Truppe. Es ist immer schade, wenn sowas dann durch eine Insolvenz beendet wird.“ Seine Reise führte Vortmann im Anschluss nach Ostwestfalen, hier schloss er sich dem damaligen Zweitligisten GWD Minden an. Mit Grün-Weiß stieg Vortmann kurze Zeit später in die 1. Liga auf: „Als ich nach Minden gegangen bin, war nichts anderes als der sofortige Aufstieg das Ziel und das haben wir dann auch geschafft. Das war schon ein großes Kontrastprogramm. Bei einem Traditionsverein wie Minden waren die Strukturen ganz anders, der Verein stand auf festen Füßen und man hatte deutlich mehr Planungssicherheit.“

Zwischenstopp Hamburg

Nach vier Jahren im Trikot von GWD führte Vortmanns Weg dann ein erstes Mal nach Hamburg. Der U20- Europameister von 2006 schloss sich zur Saison 2015/16 dem HSV Handball an und machte mit dem Wechsel zu einem Top-Team den nächsten Schritt in seiner Karriere. Zu dieser Zeit ahnte noch niemand, dass seine Zeit in Hamburg nur wenige Monate später schon wieder vorbei sein sollte. Doch mit der Insolvenz des HSV Handball im Dezember 2016 und der Einstellung des Spielbetriebs fand die Zeit in Hamburg ein schnelles Ende: „Es gab natürlich ziemlich viele Nebengeräusche, aber trotzdem hat es mir in Hamburg sehr gut gefallen. Die Insolvenz des HSV Handball hat auf jeden Fall keine bleibenden Schäden bei mir angerichtet, sonst würde ich heute wohl auch nicht wieder in Hamburg spielen. Ich wäre schon damals gerne langfristig in Hamburg geblieben, aber es kam eben anders.“

Über Leipzig zurück in den Norden

In Leipzig fand der Familienvater eine neue Aufgabe und entwickelte sich beim SC DHfK zum Leistungsträger und Kapitän in der Handball-Bundesliga: „Der SC DHfK hatte mir bereits ein Angebot gemacht, bevor ich zum HSV gegangen bin. Ich habe es den Verantwortlichen dort sehr hoch angerechnet, dass sie mich ein halbes Jahr später dann doch noch verpflichtet haben.“ Für die Sachsen stand Vortmann in über 100 Spielen auf der Platte, ehe sein Vertrag im Sommer 2020 auslief und er sich dem Wilhelms- havener HV anschloss: „Ich hatte verschiedene Angebote aus der 1. Liga, aber habe mich bewusst für den WHV entschieden. Das Konzept, das mir damals präsentiert wurde, hat mich sofort über- zeugt. Aber leider war auch hier kurzfristig Schluss.“ Am Jadebusen unterschrieb Vortmann einen langfristigen Vertrag. Doch bereits wenige Wochen nach seiner Ankunft an der Nordsee stellte der Verein einen Insolvenzantrag, da es hinter den Kulissen des WHV einen echten Pauken- schlag gegeben hatte. Beim Hauptsponsor und Co-Geschäftsführer der Wilhelmshavener war es zu erheblichen finanziellen Problemen und einer anschließenden Festnahme gekommen, sodass der Verein in Schwierigkeiten geriet. Einige Monate später nutzte Vortmann eine Ausstiegsklausel und schloss sich im Februar 2021 ein zweites Mal den Handballern aus Hamburg an: „Meine Familie und ich sind sehr froh wieder hier zu sein. Jogi und Casper kenne ich aus meiner ersten Zeit in Hamburg noch und ich finde, dass wir hier menschlich wie sportlich eine geile Truppe haben. Es macht großen Spaß mit den Jungs auf der Platte zu stehen und man merkt, dass jeder Einzelne hier sich kontinuierlich verbessern will. Unsere Reise ist noch lange nicht beendet.“ Nächster Halt: Klassenerhalt.

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